Fine und die müden Blumen
Etwa 3 Minuten · ab 3 Jahren · zum Runterkommen
Der Plüsch-Hase Fine saß am Fenster und schaute hinaus in den Garten. Die Sonne war schon hinter dem großen Apfelbaum verschwunden, und der Himmel färbte sich langsam dunkelblau. Fine strich sich einmal über die weichen Ohren. Es ist Zeit, dachte sie, und hoppelte die drei Stufen zur Terrasse hinunter.
Denn Fine hatte jeden Abend dieselbe Aufgabe: Sie ging durch den Garten und sagte den Blumen gute Nacht. Zuerst kam sie zu den Ringelblumen am Zaun. Die hatten ihre orangen Blüten schon fast zugeklappt. „Schlaft gut", flüsterte Fine. Die Ringelblumen wiegten sich ganz leicht im Wind, so, als würden sie nicken.
Weiter ging es zu den Mohnblumen in der Mitte des Beets. Die waren immer die Letzten, die müde wurden. „Nur noch ein bisschen", raunten sie. Fine setzte sich zu ihnen ins Gras und wartete. Über ihnen ging ein erster Stern an. Nach einer Weile ließen die Mohnblumen ihre roten Blätter sinken, ganz langsam, eines nach dem anderen.
Zuletzt kam Fine zur Sonnenblume ganz hinten an der Mauer. Die war so groß, dass Fine ihren Kopf nur sehen konnte, wenn sie sich weit nach hinten lehnte. Die Sonnenblume hatte ihr Gesicht schon nach unten gedreht. „Du auch", sagte sie leise zu Fine. „Ich auch", antwortete Fine.
Der Garten war jetzt still. Fine hoppelte zurück über den kühlen Rasen, die drei Stufen hinauf und durch die offene Tür. Im Kinderzimmer war das Bett schon warm. Fine legte sich auf das Kissen, machte die Augen zu und hörte draußen den Wind ganz sacht durch den Apfelbaum gehen. Gute Nacht, Ringelblumen. Gute Nacht, Mohnblumen. Gute Nacht, Sonnenblume. Und dann schlief sie ein.
Pieks zählt die Sterne
Etwa 3 Minuten · ab 3 Jahren · für unruhige Abende
Der kleine Plüsch-Igel Pieks konnte nicht einschlafen. In seinem Bauch kribbelte es, als wäre dort noch der ganze Tag versammelt: das Rennen über die Wiese, die Pfütze, das laute Lachen am Nachmittag. Er drehte sich einmal nach links und einmal nach rechts. Es half nichts.
Also kletterte Pieks aus seinem Blätterbett und schob sich durch den schmalen Gang nach draußen, vor die Höhle unter dem Holunderbusch. Die Luft war kühl und roch nach Gras. Der Himmel war weit und dunkel und voller Sterne, mehr, als Pieks je gesehen hatte. „Ich zähle sie", beschloss er. „Alle. Bis ich müde bin."
Einer. Zwei. Drei. Beim siebten Stern musste er noch einmal von vorn anfangen, weil er sich verzählt hatte. Beim vierzehnten gähnte er zum ersten Mal. Beim zwanzigsten legte er sich auf den Rücken ins weiche Moos, damit sein Hals nicht so weh tat. Die Sterne standen jetzt genau über ihm, ruhig und geduldig, und keiner von ihnen hatte es eilig.
Bei den Sternen, dachte Pieks, ist immer alles langsam. Sie leuchten einfach. Sie rennen nirgendwohin, sie machen kein einziges Geräusch, und morgen Abend sind sie wieder genau da. Er atmete tief ein und langsam wieder aus, so wie es der alte Igel vom Feldrand ihm einmal gezeigt hatte. Mit der Luft ging auch ein Stück von dem Kribbeln aus seinem Bauch hinaus in die Nacht.
Irgendwo zwischen dem dreißigsten und dem einunddreißigsten Stern hörte Pieks auf zu zählen. Seine Stacheln wurden schwer, seine Augen fielen zu. Der Holunderbusch raschelte ganz leise über ihm. Und die Sterne zählten von da an einfach weiter, ohne ihn, bis der Morgen kam.
Nuri und das leise Meer
Etwa 3 Minuten · ab 3 Jahren · zum Wegträumen
Der Plüsch-Wal Nuri schwamm dort, wo das Wasser tief und dunkelblau ist. Über ihm war der Abendhimmel, unter ihm nichts als weiches, ruhiges Meer. Nuri machte einen kleinen Blas, und die feine Wasserfontäne fiel in tausend Tropfen zurück auf seinen Rücken.
„Wo schläfst du eigentlich?", hatte ihn am Nachmittag eine neugierige Möwe gefragt, die sich auf seinem Rücken ausgeruht hatte. Nuri hatte lange nachgedacht, bis die Möwe längst weiter geflogen war. Ein Wal hat kein Bett und kein Kissen und auch kein Zimmer mit einer Tür. Aber er hatte eine Stelle, seine Stelle, und dorthin schwamm er jetzt.
Die Stelle lag hinter der flachen Sandbank, wo das Wasser warm ist und kaum eine Welle geht. Unten am Grund wiegten sich lange grüne Halme hin und her. Ein Schwarm kleiner silberner Fische zog an Nuri vorbei und funkelte einmal kurz auf, als er durch das letzte Licht des Tages glitt. Dann waren auch die Fische fort, und es war still.
Nuri hörte auf zu schwimmen. Er ließ sich einfach tragen. Das Meer hob ihn ein Stück nach oben und legte ihn wieder ein Stück nach unten, immer wieder, so gleichmäßig wie ein Atemzug. Über ihm spiegelte sich der Mond auf der Wasseroberfläche und wackelte freundlich hin und her.
Ein Wal schläft immer nur mit einer Hälfte, hatte seine Mutter ihm einmal erzählt. Die andere passt in der Zwischenzeit auf. Nuri fand das beruhigend. Er schloss ein Auge, dann wurde auch das andere schwer. Das Meer hob ihn hoch und legte ihn wieder ab, hoch und wieder ab, und Nuri träumte von einem Himmel, der genauso blau war wie das Wasser.